Veterinärmedizin


Gefangen in der Ja-Falle? Das Zauberwort für mehr Zufriedenheit in der Tiermedizin
13 Jan 2021

Gefangen in der Ja-Falle? Das Zauberwort für mehr Zufriedenheit in der Tiermedizin


Als Tierärztin, Tierarzt oder TFA arbeiten Sie mit Ihrem Team in einem heilenden Beruf. Persönliche „Wohlfühlgrenzen“ – gegenüber Kunden, Kollegen oder Mitarbeitern – zu ziehen, entpuppt sich erfahrungsgemäß gerade in der Tiermedizin immer wieder als echte Herausforderung. Warum eigentlich?

Warum sind wir überhaupt solche Ja-Sager geworden?

Hier hat die eigene Erziehung in der Regel ganze Arbeit geleistet. Das Ja-Sagen haben wir von der Pike an gelernt – wir beherrschen es exzellent. Wir sagen – in immer kürzeren Intervallen – ja zu Veränderungen. Wir sagen ja zu neuen Trends, ja zur Meinung anderer, ja zu fast jedem Gefallen, um den wir gebeten werden. Das Ja-Sagen ist zu unserer täglichen Routine geworden. Dabei übersehen wir das wir oft ja zu Dingen sagen die wir im Grunde gar nicht wollen! Warum? Aus Angst vor Ablehnung? Weil uns ein Ja beliebt bei anderen macht (zumindest glauben oder hoffen wir das)? Weil ein Ja unser Belohnungssystem aktiviert? Daumen hoch um jeden Preis?

Warum NEIN sagen in der Tiermedizin eine ganz besondere Herausforderung ist

„Kann ich heute wirklich keinen Termin mehr bekommen?“. „Es geht meinem Tier aber gar nicht gut!“. Die Arbeit mit Lebewesen macht es nicht gerade einfacher. Hinzu kommen vermeintlich begrenzte wirtschaftliche Ressourcen der Tierhalter, die sich bei genauem Hinsehen regelmässig als falsch gesetzte Prioritäten entpuppen. Die Situationen, in denen das Nein bzw. Grenzenziehen für in der Tiermedizin Tätige zu einer echten Herausforderung wird, sind vielfältig – der Preis es nicht zu können hoch. Im Rahmen meiner Beratungsmandate erlebe ich es immer wieder: Wenn Dienstpläne zum „unverbindlichen Serviervorschlag“ verkommen, sind Arbeitszeiten kaum noch planbar. Das Terminmanagement wird zur Großbaustelle, eine inkonsequente Abrechnung reduziert stets den Gewinn. Das alles steigert auf Dauer höchstens den Frust. Ein zu hoher Preis für das Ja, der leider viel zu oft gezahlt wird. Zumal dieses Muster meist viel zu spät erkannt wird.

Warum das bewusste NEIN ganz neue Möglichkeiten eröffnet

Der Schlüssel zum Glück allerdings ist das Nein! Die Ja-Türe ist eine Türe, die sich nur scheinbar öffnet. Hinter dem Schloß verbirgt sich häufig die Sackgasse aus Frust, Ärger über sich selbst und Unzufriedenheit – weil man mal wieder in die Ja-Falle getappt ist und Dinge macht, die man im Grunde gar nicht machen wollte.

Das bewusste Nein öffnet das Tor zum Himmelreich, denn:

  • Wer sportlich und fit sein will, muss öfter nein zum Sofa sagen.
  • Wer reich sein will, muss nein zu unnötigen Kaufgenüssen sagen.
  • Wer treu sein will, muss nein zu anderen Gelegenheiten sagen.
  • Wer gute Freunde haben will, muss nein zu schlechten sagen.
  • Wer eine gute Zeit haben will, darf sich nicht mit schlechten Dingen beschäftigen.
  • Wer glücklich sein will, muss nein zu belastenden Dingen sagen.
  • Wer die richtigen Kunden im Wartezimmer haben will, muss nein zu den falschen sagen.

Diesem Anfang wohnt ein Zauber inne: Jedes neue Nein ist ein sehr guter Anfang

Ein Nein befreit vor allem erst einmal von unnötigen und ungewollten Verpflichtungen. Ein Nein schafft Luft zum Durchatmen und eröffnet so den Raum für das was wir wirklich gerne machen. Ein Nein schafft Platz für das echte Ja.

Es gibt uns Energie für das, was wir wirklich, wahrhaftig und ganz bewußt wollen. Das echte Ja ist das, was uns Energie gibt, was uns strahlen und aufblühen lässt. Es ermöglicht das Engagement für das, was unser Herz mit Freude und beruflich hoffentlich auch unser Portemonnaie füllt.

Erst, wenn wir klar und deutlich nein sagen zu allem, das wir nicht wollen, zu allem, das uns Kraft raubt, erst dann können wir uns auf unsere persönlichen Wünsche und Träume konzentrieren.

Mein Tipp für Ihr Wohlbefinden: Sagen Sie einfach öfter und ganz bewusst Nein

  • Nein zum Abnicken, immer dann wenn Sie spüren, dass Ihr Herz rebelliert.
  • Nein zu Ablenkungen, wenn Sie ein konkretes Ziel – z. B. für die Praxis verfolgen.
  • Nein zu den 1.000 kleinen Energiefressern, die Ihnen täglich Kraft rauben.
  • Nein, wenn Sie genau spüren, dass Sie nein meinen, auch wenn andere ein Ja erwarten.
  • Nein zu den Menschen, die Sie im Grunde schon viel zu lange nerven.
  • Nein zu den Kunden, für die alles selbstverständlich und ohnehin nie genug ist.

Ich gebe zu, das ist definitiv nicht immer leicht, aber nicht leicht heißt nicht unmöglich. Es liegt an Ihnen! Wenn jedes Nein für Sie eine echte Herausforderung ist, dann fangen Sie klein an. Planen Sie das nächste Mal doch einfach ein nein als mögliche Antwort ganz bewußt ein. Zum Beispiel, wenn Kunden etwas Unmögliches einfordern, über Preise für wichtige Leistungen meckern und Sie so herunterhandeln wollen, obwohl das Geld für Überflüssiges immer vorhanden ist oder wenn sie erwarten, dass Sie immer erreichbar sind.

Mit jedem Nein lassen Sie mehr Ja in Ihr Leben!

Ja zu Ihrem eigenen Ich – zu Ihrem Traum, Ihrer Passion, Ihrem Warum. Ich bin mir sicher, dass Sie in Ihrem Inneren ganz genau wissen, was Ihr Ja ist. So zeigen Sie der Welt, wie und wer Sie wirklich sind und teilen Ihre Energie, Ihre Freude und Ihre Ausstrahlung mit Anderen.

So finden Sie Ihre Balance von Geben und Nehmen. Eine Balance, die sich gut und richtig anfühlt. So können Sie bewußt und gerne für Andere da sein und gerne etwas zurückgeben – an diejenigen, die es wirklich verdient haben.

Ihr visueller Coach – damit die Nein-Botschaft dieses Beitrags haften bleibt!

Sie brauchen ein wenig Hilfestellung für Ihr bewusstes Nein? Diese gebe ich Ihnen gerne, denn, um Verhaltensmuster zu ändern, braucht es kleine Helfer. Wer mich kennt weiß: Ich liebe Sticker. Wohldosiert und gut platziert transportieren sie Botschaften, verleihen alltäglichen Dingen Individualität, machen unterscheid- und wiedererkennbar.

In Tierarztpraxen haben sie – in der Variante Etikett – meist eine Erinnerungsfunktion: „Nur Papier einfüllen!“, „Staubbehälter nach Gebrauch leeren!“ – in jeder Praxis finde ich zahlreiche dieser Hinweise.

Nein Aufkleber bestellenDer Ruhmservice-Sticker „NEIN – sonst noch Fragen?“ ist so ein kleiner Helfer, wir haben ihn extra für diesen Beitrag erstellt, damit die Botschaft haften bleibt. In Ihrem Kopf und vor Ihrem Auge. Dort, wo Sie ihn als Helfer brauchen. Auf dem Spiegel im Bad, auf der Innenseite der Autoscheibe, am Spind im Umkleideraum, hinter dem Tresen der Anmeldung oder am Kühlschrank.

Raphael Witte Ruhmservice Consulting Beratung für TieraerzteUnd da sich das Auge schnell an visuelle Helfer gewöhnt, ist der Aufkleber sogar statisch haftend. So kann er leicht abgezogen und neu platziert werden – besser ist das. Sie finden den Sticker „NEIN – sonst noch Fragen?“ im  Ruhmservice-Shop bei unseren Stickern für Tierarztpraxen.

Da Sie es offensichtlich bis hierher geschafft und wenn Sie Lust auf echte Veränderung und mehr Zufriedenheit haben: Ich habe ein Geschenk für Sie!

Sie können den Sticker „NEIN – sonst noch Fragen?“ völlig kostenfrei im Ruhmservice-Shop bestellen!

Dazu am Ende einfach den Rabattcode „MEHR-NEIN“ eingeben (gültig für einen Aufkleber, inkl. Porto und Versand).

 

Der Aufkleber erinnert Sie dann täglich an das Nein als neue Option, auf Ihrem Weg zu mehr Zufriedenheit.

Das – und natürlich eine tierisch erfolgreiche und gesunde Zeit – wünscht Ihnen

 

 

 

 

Raphael M. Witte

P.S. Keine Tipps zum veterinärmedizinischen Praxismanagement und Marketing mehr verpassen? Jetzt die Ruhmservice-Infos abonnieren!


Das Image der Tiermedizin – Zeit für einen Wandel!
02 Nov 2020

Das Image der Tiermedizin – Zeit für einen Wandel!

Warum es jetzt an der Zeit ist, sich als Tierärztin oder Tierarzt ein anderes Image zuzulegen

Was machen Sie als Tierarzt (m/w/d) oder TFA am Sonntag? Erholen ist per se eine gute Idee. Eine weniger gute ist es, den – mehr oder weniger – freien Tag dazu zu nutzen, Dinge zu bearbeiten, die im Laufe der Arbeitswoche „liegen geblieben sind“. Dazu gehört für mich die Durchsicht diverser Fachzeitschriften, die ich nach Themen scanne, die für meine berufliche Tätigkeit als Praxisberater relevant sind. Heute bin ich bei der Zeitschrift Vet-Impulse (Ausgabe Nr. 21 vom 01. November 2020) auf einen Beitrag gestoßen, der mich zunächst sprach- und dann fassungslos gemacht hat.

Senkung statt Anhebung? – die geplante Überarbeitung der GOT

Jeder kennt sicher den Moment, in dem man denkt: „Das ist jetzt irgendwie ein Scherz. Das musst du falsch verstanden haben.“ Für mich war das genau so ein Moment! Im Beitrag erfahre ich, dass es im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL), angeführt von Ministerin Julia Klöckner, Überlegungen gibt, in der Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) Positionen Posten nach UNTEN anzupassen. Betroffen sei vor allem der Nutztierbereich, detailliertere Informationen gibt es dazu noch nicht.

Zweifelhafte Umfrage zur Einkommenssituation selbstständiger Tierärzte – mir schwillt der Kamm

Weiter erfahre ich, dass die der Agrarlobby nahestehende Firma „AFC Public Services GmbH“ vom BMEL beauftragt wurde, eine Umfrage bei Tierärzten durchzuführen. Diese soll dazu dienen, die Einkommenssituation der Tierärzteschaft zu analysieren. Die Umfrage soll bis zum 30. November 2020 durchgeführt werden und wurde, ohne weitere Information oder Abstimmung mit der BTK, per E-Mail willkürlich an Tierarztpraxen gesendet. Eine Prüfung, ob die Teilnehmer berechtigt sind, an der Umfrage teilzunehmen, findet nicht statt. Alles in allem: Ich bin – mal wieder – sprachlos! Warum bin ich nicht einfach spazieren gegangen? Jetzt verfolgen mich die Gedanken im Zusammenhang mit diesem Beitrag länger, als mir lieb ist. Ob die GOT nun nach unten angepasst wird oder nicht: In der Tiermedizin liegt schon länger einiges im Argen!

„Der Tierarzt sollte sich ein anderes Image zulegen“ – Der Doktor und das liebe Vieh (Folge 01)

Ich bin seit 20 Jahren in der veterinärmedizinischen Branche und seit 12 Jahren in der Beratung vor allem tierärztlicher Praxen und Kliniken tätig. Im Rahmen von Seminaren und Präsentationen bei Praxisberatungen behandle ich regelmäßig wichtige Aspekte zur Einkommenssituation von selbstständigen und angestellten Tierärzten und TFA. Aus den zahlreichen, teilweise sehr persönlichen Gesprächen mit diesen Gruppen kenne ich viele Einzelsituationen sehr genau.

Einstieg in die Darstellung der Situation der tierärztlich Tätigen ist ein kleiner Ausschnitt aus der ersten Folge der Kultserie „Der Doktor und das liebe Vieh“. Tierarzt James Harriot stellt sich bei Inhaber Siegfried Farnon vor. Gemischtpraktiker Farnon zeigt Harriot bei einem kleinen Rundgang. Die erste Folge spielt 1937, und bereits zu diesem Zeitpunkt sagt Farnon: „Der Tierarzt sollte sich ein anderes Image zulegen…“. Recht hat er! Schließlich hat dieses Zitat im Jahr 2020 höchste Aktualität.

Profit machen nur die anderen – das stimmt so nicht

Der Heimtiermarkt boomt, in der Fleischindustrie wird von Einzelnen wie Tönnies und Co. kräftig abgesahnt und Industrie- und Pharmafirmen der Tierbranche sind kontinuierlich auf Wachstumskurs. Im Widerspruch dazu haben sich die Schlagzeilen zur Einkommenssituation selbstständiger und angestellter Tierärzte in den vergangenen zehn Jahren dagegen kaum verändert.

Sie reichen von „Dann geht man eben nachts putzen“ (Christina Hucklenbroich, 2009, FAZ) über „Tierärztin bekam nicht einmal zehn Euro netto die Stunde“ (Lisa Breit, 2018, Der Standard) bis zu den 2019 veröffentlichten Angaben der apoBank zu den Konditionen angestellter Tierärzte: „Vom Boom in der Heimtierbranche und den Profiten im Nutztiersektor profitieren Tierärzte scheinbar nicht.“ Noch schlechter steht es um das Berufsbild der Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA). Trotz Fachkräftemangel kann in den Anfangsjahren dieses Berufes kaum ein Einkommen erzielt werden, mit dem – ohne Eltern oder Partner – eine eigenverantwortliche Lebensführung realistisch möglich ist. Kein Wunder also, dass ein Großteil der TFA bereits frühzeitig wieder aus dem Beruf ausscheidet.

Alle Gründe für diese Entwicklungen verstehen und darlegen zu wollen würde den Rahmen dieses Blogbeitrags hoffnungslos sprengen. Dabei ist Tiermedizin doch per se keine „Loserbranche“. Das System „Private Equity“ investiert beispielsweise ganz sicher nicht in eine Branche, wenn es keine realistische Aussicht auf lukrative Renditen gibt.

Die veterinärmedizinische Landschaft ist extrem heterogen – ein Erklärungsversuch

Unternehmen, auf denen das Etikett „Tierarztpraxis“ klebt, sind extrem unterschiedlich. Der Inhaber einer Großtierpraxis z. B. hat außer der Berufsbezeichnung nur wenige Schnittstellen mit dem einer Kleintierpraxis. Selbst innerhalb der Kleintierpraxen ist die Bandbreite – von der spezialisierten Fachpraxis mit einem hohen Überweisungsanteil bis zur kleiner Praxis, die vor allem der allgemeinen Grundversorgung dient – sehr groß. Hinzu kommt, dass ein hoher Anteil von Tierarztpraxen ein Umsatzniveau erzielt, bei dem eine tragfähige Vollexistenz nicht ansatzweise darstellbar ist. Der Anteil sogenannter „Non-Profit-Praxen“ in Deutschland ist hoch.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind das sicher einige der Gründe, die eine höhere Solidarität und Einigkeit unter Tierärztinnen und Tierärzten verhindern. Dabei wäre genau diese Einigkeit und Solidarität aktuell wichtiger denn je, zumindest wenn sich Image und Einkommensniveau der Tiermedizin endlich ändern sollen.

Tiermedizin zu einem neuen Image verhelfen – jeder Beitrag zählt

Meine Erfahrung: Nachhaltige Veränderung ist in der Regel nicht zwischen 12 und Mittag umzusetzen. Im Rahmen der Praxisberatungen erlebe ich immer wieder, dass es zwei Faktoren für erfolgreiche und nachhaltige Veränderung gibt: Kontinuität und Umsetzung.

„Tiermedizin ist eine Teamleistung!“, darauf weise ich immer wieder hin. Der oder die Einzelne ist in der Branche definitiv auf verlorenem Posten. Eine Tierarztpraxis ist dann besonders erfolgreich, wenn das Team gut funktioniert, wenn es sich gegenseitig unterstützt, wenn jeder sein „Warum“ und „Wie“ kennt und die Prozesse klar definiert sind. Prozesse und konkrete Maßnahmen, die sich einmal als erfolgreich und zielführend bewährt haben, gilt es im Team konsequent umzusetzen. Das ist zwar eine gewisse Herausforderung, aber ganz sicher nicht unmöglich.

Übertragen auf die Herkulesaufgabe „Imageänderung der Tiermedizin“ kann diese Vorgehensweise ebenfalls zum gewünschten Erfolg führen. Auch hier können kleine Einzelmaßnahmen, die konsequent und von möglichst vielen umgesetzt werden, eine spürbare Veränderung bewirken.

Einige Anregungen zu konkreten Maßnahmen – für einen Imagewandel der Tiermedizin:

  • Die Zugehörigkeit zum tierärztlichen Beruf konsequent kommunizieren – mehr Berufsstolz ist definitiv angebracht.
  • Regelmäßig Gespräche mit Fachfremden zur Aufklärung über das Berufsbild führen.
  • Erbrachte Leistungen konsequent abrechnen – weil jeder, der mit dem Portemonnaie der Kunden denkt, sich in dem Moment aus dem eigenen bedient.
  • Öfter einmal Nein sagen – zu den falschen Kunden oder zu der Nachfrage nach Sonderpreisen, z. B. von Züchtern.
  • Die GOT als Serviervorschlag sehen und konsequent ausschöpfen – innerhalb der GOT gibt es eine Menge Spielraum, der fast nie wirklich genutzt wird.
  • Preise für Leistungen auf Basis der individuellen Kosten kalkulieren – weil nur erfolgreiche Praxen gute Tiermedizin anbieten können.
  • Auf Preisdumping verzichten – wer es doch macht, zahlt am Ende drauf und handelt nicht solidarisch.
  • Fortbildungen zu den Themen Management und Marketing – um die unternehmerischen Kompetenzen sinnvoll zu ergänzen und den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis zu fördern.
  • Mitarbeiter/-innen am wirtschaftlichen Erfolg der Praxis beteiligen – weil jeder, der einen Beitrag dazu geleistet hat, es verdient hat.
  • Das Internet und Social Media nutzen, um den Wert tierärztlicher Leistungen und die tatsächliche Situation im Beruf zu vermitteln.

Veränderung ist immer möglich – wenn die Notwendigkeit besteht und alle handeln

In nur neun Monaten haben sich unsere Arbeitswelt wie unser Privatleben in einer Intensität verändert, die sich keiner von uns hätte vorstellen können. Ein Virus hat sich als extremer Evolutionsbeschleuniger erwiesen. In vielen Bereichen hätte es ihn nicht gebraucht, es zeigt aber, wie schnell Veränderung möglich ist – zumindest wenn der Druck hoch genug ist und mehrheitlich gehandelt wird.

Fazit: You love VET-Med? Der- oder diejenige, die einen Beitrag leisten kann, um das Image der Tiermedizin zu verändern, begegnet Dir jeden Morgen im Spiegel!

Überlegen Sie, was ihr Beitrag sein kann, und handeln sie! Motivieren sie andere, dies auch zu tun, und nutzen sie jede Möglichkeit, ihren Beitrag für einen Imagewandel der Tiermedizin zu leisten, egal wie groß oder klein er ist. Tiermedizin ist nichts Abstraktes und keine Institution. Tiermedizin ist eine Dienstleistung, die von Menschen praktiziert und gelebt wird – jeden Tag!


Viele Grüße – und natürlich eine tierisch gutes Image!

Raphael M. Witte

Veterinary Business Consultant

P.S.: Ich freue mich über Ihre Anregungen für einen Imagewandel in der Tiermedizin und Feedback zu diesem Beitrag. Nutzen Sie dazu einfach die Kommentarfunktion oder das Ruhmservice-Kontaktformular für eine persönliche Nachricht.


Digitalisierung – Facebook-Gruppe zur digitalen Tiermedizin gegründet
29 Apr 2020

Digitalisierung – Facebook-Gruppe zur digitalen Tiermedizin gegründet

Digitalisierung

Facebook-Gruppe zur digitalen Tiermedizin gegründet

Maskenpflicht, Spuckschutz, Hinweise auf Mindestabstände, Teamsplitting, Tierhalter, die nicht in den Behandlungsraum dürfen: Corona macht die Arbeit in der Tierarztpraxis nicht einfacher. Neben allen negativen Aspekten für Tierärzte und ihre Teams entpuppt sich das Corona-Virus als Evolutionsbeschleuniger – auch in der Tiermedizin. Innovative Konzepte und Lösungen sind heute gefragter denn je.

Im Rahmen der Ruhmservice-Praxisberatungen werde ich immer häufiger auf die Digitalisierung in der Tiermedizin“ angesprochen. Wie ist der Stand, was hat sich bereits bewährt, wohin geht die Reise?

Offene Fragen, die zeigen: Es ist Zeit für ein Forum zum Thema „Digitalisierung in der Tiermedizin“. Im offenen Austausch mit allen Beteiligten entstehen dabei nach meiner Erfahrung immer die besten Ideen.

Eine Plattform für den zeitgemäßen Austausch

Grund genug für Ruhmservice Consulting, die Facebook-Gruppe „Digitale Tiermedizin“ zu gründen, eine digitale Plattform für den Austausch zu den Themen Digitalisierung in der Tiermedizin. Die Gruppe ist für alle offen, die im tierärztlichen Kontext tätig sind, also für selbständige und angestellte Tierärztinnen und Tierärzte, für tiermedizinische Fachangestellte, Praxismanager und -mangerinnen, für Auszubildende und für Anbieter von digitalen Lösungen für die Tiermedizin.

Großes Interesse, lebhafte Diskussionen

facebook digitale TiermedizinInnerhalb von nur zwei Tagen nach der Eröffnung sind bereits über 200 Facebook-Nutzer der Gruppe beigetreten. Themen wie die beste Praxissoftware, Möglichkeiten der digitalen Arbeitszeiterfassung, digitale Kommunikation mit Tierhaltern, Telemedizin und künstliche Intelligenz in der Tiermedizin werden in der neuen Gruppe offen und kontrovers diskutiert – so soll es sein, die Gruppe ist eine Plattform für alle Meinungen und Erfahrungen zum Thema „Digitale Tiermedizin“.

Mitmachen – jetzt Mitglied werden!

Die Gruppe ist in der Facebook-Suchfunktion leicht auffindbar oder kann direkt unter folgendem Link geöffnet werden: https://www.facebook.com/groups/digitale.tiermedizin/

Wir freuen uns über weitere aktive Gruppenmitglieder und über alle Hinweise auf die Gruppe „Digitale Tiermedizin“ in anderen tierärztlichen Netzwerken.

Ich wünsche Ihnen eine stets erfolgreiche Zeit und bleiben Sie vor allem gesund!

Raphael Witte


Nach der Euthanasie – Serviceleistungen einer Tierarztpraxis nach einer ganz besonderen tierärztlichen Leistung
17 Dez 2018

Nach der Euthanasie – Serviceleistungen einer Tierarztpraxis nach einer ganz besonderen tierärztlichen Leistung

Tiere sind kein Abfall – vom veränderten Umgang mit verstorbenen Tieren in der Tierarztpraxis

Im Beitrag „Euthanasie in der Tierarztpraxis – Tipps zum Praxismanagement rund um den letzten Besuch“ wurden die wichtigsten Maßnahmen und Empfehlungen rund um die Euthanasie eines Haustieres behandelt. Der Trend Humanisierung der Haustiere und die damit verbundenen veränderten Erwartungen der Tierhalter gehen noch weiter und betreffen auch die Momente nach einer Euthanasie und natürlich den Umgang mit dem Tierkörper durch das tierärztliche Praxisteam.

Euthanasie Bescheinigung Tierarzt

Als Praxisberater für Tierärzte habe ich vor über zehn Jahren bereits den Themenbereich Euthanasie und Tiertrauer in der Tierarztpraxis mit Praxisinhabern in speziellen Fokus- und Meinungsbildner-Gruppen diskutiert. Dabei habe ich u.a. den Versand von Tier-Trauerkarten an Tierhalter empfohlen.

Damals war diese Maßnahme in Deutschland noch absolut unüblich und die Empfehlung wurde zu diesem Zeitpunkt noch eher ungläubig aufgenommen. 2010 wurden die ersten Ruhmservice Tier-Trauerkarten entwickelt. Progressiven Tierarztpraxen gehörten zu den frühen Verwendern. Heutzutage versenden immer mehr Tierarztpraxen unsere Tier-Trauerkarten an ihre Kunden.

Trauerkarte HundFür Praxen die  diese Serviceleistung einer Praxis testen möchten haben wir die Trauerkarten-Box entwickelt. Mit 20 verschiedenen Karten und den passenden Kuverts kann die Wirkung der Karten bei den Tierhaltern getestet werden. Die positive Resonanz der Tierhalter auf diese unbestritten empathische Geste einer Tierarztpraxis ist beeindruckend. Dabei wird deutlich, wie sehr sich der Stellenwert der Haustiere in unserer Gesellschaft verändert hat. Für Teams tierärztlicher Praxen und Kliniken ist es wichtig, diese Entwicklung im Umgang mit ihren Kunden zu berücksichtigen. Die Kundenzufriedenheit ist dann besonders hoch  um den veränderten Erwartungen gerecht zu werden.

Immer eine individuelle Entscheidung: Was passiert mit dem Tierkörper?

Die Optionen zum finalen Verbleib des Tierkörpers werden in der Regel bereits im Vorfeld einer Euthanasie mit dem Tierhalter besprochen. Die gängigen Optionen sind die Mitnahme des Tieres durch den Halter und die Bestattung im eigenen Garten oder die Einzel- oder Sammelkremierung in einem Tierkremtorium. Immer noch werden zahlreiche Tierkörper über eine Tierkörperbeseitigung (TKB) „beseitigt“. Alleine die Terminologie ist nicht mehr wirklich zeitgemäß.

euthanasie in der TierarztpraxisRuhmservice Consulting hat über mehrere Jahre verschiedene Kremierungsunternehmen im bei der internationalen strategischen Entwicklung beraten und begleitet. Aus diesen umfangreichen Erfahrungen wissen wir auch, dass selbst Mitglieder tierärztlicher Praxisteams meist nicht bewusst ist, was in einer TKB mit den Tieren genau passiert. Es besteht der Mythos die Tiere würde zu Seife verarbeitet. Dies ist definitiv nicht der Fall. Die Tierkadaver werden zunächst zerkleinert und in einem aufwändigen Prozeß zu Fetten und Schmierstoffen und Tierkörpermehl verarbeitet. Ein wenig würdevolles Ende für ein Tier dessen Namen man unzählige Male gerufen und es liebevoll gepflegt und mit unzähligen Leckerchen verwöhnt hat.

Wer der Realität ins Auge sehen mag: Bei YouTube zeigt ein Video den ersten Schritt der Verarbeitung, nämlich die Zerkleinerung der Tiere, in einer Tierkörperverwertung

Eine immer größere Zahl von Kleintierpraxen „beseitigt“ ihre Tiere daher nicht mehr über die Verwertung. Als Alternative dient dann die anonyme Sammel- oder Basiskremierung, die vor allem von größeren Tierkrematorien angeboten wird.

Das Kleintierkrematorium Rosengarten z.B. bietet Tierarztpraxen – neben der Einzel-, Sammel- und Basiskremierung – auch dann eine würdevolle Lösung zum Verbleib des Tierkörpers, wenn der Tierhalter selbst keine der verfügbaren Kremierungsvarianten wünscht. Vorteil: Die Message „100% Kremierung – keine Tierkörperbeseitigung“ kann dann den Tierhaltern gegenüber aktiv und völlig transparent kommuniziert werden. Das Praxisteam unterstreicht mit dieser Entscheidung ihre Wertschätzung auch verstorbenen Tieren gegenüber. Zusätzlich entfällt die oft wenig ansprechende Abholung der Tierkörper. TIPP: Kontaktieren Sie den Anbieter und erfragen Sie die verfügbaren Optionen für Tierarztpraxen in Ihrer Region.

Euthanasie und dann? Vom neuen Umgang mit dem Tierkörper in der Tierarztpraxis

Von der gewählten Möglichkeit zum finalen Verbleib des Tierkörpers hängt auch der Umgang mit dem Tierkörper nach der Euthanasie ab. Wie wird das Tier bei Hauseuthanasien in die Praxis transportiert? Wie wird der Tierkörper verpackt? Wie wird der Tierkörper bis zur Abholung durch die Tierkremierung in der Praxis gelagert?

eithabag_tierarztDie kanadische Tierärztin Celine Leheurteux war mit der traditionellen Methode höchst unzufrieden und wollte sich nicht damit abfinden, dass Tiere nach ihrem Tod häufig wie Abfall behandelt werden. Sie wollte den Akt des Abschieds vom Tierkörper und den Transport für Tierhalter transparent gestalten.


Nach intensiven Recherchen zu würdevolleren und praktikableren Lösungen entwickelte sie mit EUTHABAG einen kremierbaren Body Bag – speziell für den Einsatz in der Tierarztpraxis. Die einzigartigen Body Bags bestehen aus recyceltem Polypropylen, sind schlicht und modern gestaltet, flüssigkeitsdicht und bis 95 kg reißfest.

Im Gegensatz zu den üblichen Beuteln können die Body Bags in Anwesenheit des Tierhalters eingesetzt werden. „Für manche Tierhalter ist es deutlich angenehmer, das verstorbene Tier später nicht mehr zu sehen. Außerdem ist das Verschließen der Bags erfahrungsgemäß ein erster Schritt für das emotionale Loslassen“, so die kanadische Tierärztin.

Die Body Bags stehen für eine völlig andere, absolut hygienische und würdevolle Art des Transports und der Lagerung. Die einfache Kennzeichnung der Body Bags erleichtert die Prozesse rund um die eindeutige Zuordnung und Lagerung zudem deutlich.

Der gesamte Prozeß rund um den Transport und die Aufbewahrung verstorbener Tiere kann mit der Verwendung von EUTHABAG Tierhaltern gegenüber absolut erklär- und vorzeigbar gestaltet werden – ein Zeichen für den Qualitätsanspruch einer Praxis im Umgang mit verstorbenen Tieren. 

Das seit November 2016 eingesetzte Produkt ist ein voller Erfolg. Es wurde von der Canadian Veterinary Medical Association (CVMA) ausgezeichnet und trifft die veränderten Erwartungen der Tierhalter offensichtlich genau.

EUTHABAG wird aktuell bereits in mehr als 15 Ländern (Amerika und Europa) eingesetzt. Ab sofort ist das Tool auch in Deutschland – exklusiv über den Ruhmservice-Shop für Tierärzte – erhältlich. EUTHABAG ist in Deutschland – exklusiv über den Ruhmservice Online-Shop für Tierärzte – erhältlich. Zur Einführung gibt es ein spezielles EUTHABAG Starter-Kit mit allen verfügbaren Größen.

FAZIT: Als Praxisberater beschäftige ich mich bereits seit zehn Jahren mit den Themen Euthanasie und Tiertrauer in der Tierarztpraxis. Meiner Erfahrung nach ist es für Tierärzte und Praxisteams sehr wichtig – gerade bei diesem sensiblen Thema – offen und sensibel für die Erwartungen der Tierhalter zu sein. Übertragen Sie nicht die eigene Einstellung zum Umgang mit diesen Themen und dem Tierkörper auf alle Kunden, denn die Erwartungen sehr unterschiedlich. Neben dem Versand vor Tier-Trauerkarten ist ein Body Bag für Haustiere eine ausgezeichnete Möglichkeit die Erwartungen der Kunden zu übertreffen und die Praxis dadurch zu differenzieren. Innovative Praxisteams werden auch dabei den neuen Standard definieren.


Entwurmen in der Kleintierpraxis – wo ist der Wurm drin?
24 Mrz 2014

Entwurmen in der Kleintierpraxis – wo ist der Wurm drin?

Die Fachzeitung VETimpulse veröffentlichte einen Artikel, in dem die Entwurmungsrichtlinien der Expertenkommission ESCCAP von zwei Universitätsprofessoren, davon ein Parasitologe, deutlich kritisiert werden. In vielen Praxen würde Entwurmung nach „Schema F“ betrieben.

Ruhmservice Consulting fragt: Wo ist jetzt der Wurm drin?

Auf der ersten und zweiten Seite der VETimpulse (Ausgabe Nr. 6, vom 15. März 2014) findet sich der Artikel „Auf dem Prüfstand: Entwurmen in der Kleintierpraxis (Werbung im Mantel der Fachinformation?)”.

Prof. Kurt Pfister (Parasitologe der LMU München und Prof. Ingo Nolte (Klinik für Kleintiere, Tiho Hannover) stellen eine Reihe kritischer Fragen zu den Entwurmungsrichtlinien der ESCCAP. Das Entwurmungsschema, das eine individuelle Risikobewertung berücksichtigt, wird eindeutig kritisiert. Es würde Werbung im Mantel der Fachinformation gekleidet, so der Vorwurf. Eine pauschale, viermal jährliche Entwurmung sei veterinärmedizinisch nicht angemessen.

Zusätzlich werden die veterinärmedizinische Seriosität und berufliche Ethik und Verantwortung hinterfragt. Außerdem bestünde die Gefahr, Hunde als verwurmte Parasitenschleudern in die Köpfe der Halter zu implantieren.

Fazit und Empfehlung der Professoren:

Vor einer Entwurmung sollte stets eine koprologische Untersuchung vorauszugehen. Ausnahme: Das Tier ist nachweislich einer Dauerkontamination ausgesetzt.

In dem Artikel werden aber auch andere Fragen aufgeworfen:

Wie realistisch sind diese Forderungen in der Praxis tatsächlich? Diese würden nämlich voraussetzen, dass Tierhalter alle drei Monate eine Kotprobe (von drei aufeinanderfolgenden Tagen) entnehmen und in ihrer Tierarztpraxis untersuchen lassen. Bei der Durchsicht des Artikels hat mich persönlich zunächst die Fragevbeschäftigt: „Warum ausgerechnet jetzt diese Kritik?“ ESCCAP verwendet die Entwurmungsrichtlinien ja nicht erst seit kurzer Zeit, sondern seit Jahren.

In dem ESCCAP-Entwurmungsschema wird mehrfach auf die Alternative der Kotuntersuchung zu der individuell empfohlenen Entwurmungsfrequenz hingewiesen. Der Vorwurf der unnötigen Pauschalentwurmung ist somit ohnehin nicht nachvollziehbar.

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Hinweis auf Kotuntersuchungen in den ESCCAP Entwurmungsempfehlungen

Wir haben in der Vergangenheit die ESCCAP-Informationen für Tierhalter im Rahmen unserer Praxisberatungen gerne empfohlen und werden diese auch künftig empfehlen. Eines wird in dem Artikel nämlich nicht berücksichtigt: Die Compliance der Tierhalter!

Im Rahmen des von Ruhmservice entwickelten VetComPot® Checks zur Compliance und Therapietreue, wird der tatsächliche Erfüllungsgrad wichtiger Leistungen untersucht. Erkenntnis aus zahlreichen Checks: In der Praxis werden die Hunde ohnehin nur zwischen 1,3- und 2,5-mal jährlich entwurmt! Somit liegt die Entwurmungshäufigkeit deutlich unter der für viele Hunde empfohlenen quartalsmäßigen Entwurmung. Die Präpatenz beschreibt bei der Infektion durch einen Parasiten (z.B. eines Spulwurmes) die Zeitdauer von der Aufnahme der infektiösen Parasiten-Stadien bis zum Auftreten von ersten Geschlechtsprodukten, z.B. im untersuchten Kot. Genau diese Präpatenz kann somit auch eine Schwachstelle bei der Kotuntersuchung sein.

So ist, meiner Meinung nach, der im Artikel erhobene Vorwurf des Entwurmungsschemas (nach Schema F) auf der anderen Seite die absolute Stärke. Denn wie schlecht Tierhalter in der Praxis über wichtige Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge informiert sind, zeigt sich immer wieder. Daher ist ein eindeutiges und verständliches Schema, das die individuelle Risikolage des Tieres berücksichtigt ganz sicher besser als kein Schema und wenig Information.

Um Tierhalter umfassend und konsequent zu informieren, fehlt in der Praxis häufig die notwendige Zeit. Selbst wenn diese vorhanden ist, hapert es oft mit der konsequenten Abrechnung für eine umfassende Beratung. Was viele dabei vergessen: Wie alle Dienstleister tauscht der Tierarzt Zeit gegen Geld!

Die Antworten der Tierhalter bei der Frage nach der optimalen Entwurmungshäufigkeit im folgenden ESCCAP-Video sind daher – auch nach unserer Erfahrung – absolut typisch:

 

Ihr Tier richtig Entwurmen! from ESCCAP on Vimeo.

Tipp: Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Praxisteam wer, wann, welche Informationen zu dem wichtigen Thema Parasitenprophylaxe kommunizieren kann. Wertvolle Hinweise für eine sinnvolle Parasitenprophylaxe und Materialien zur Abgabe an den Tierhalter finden Sie dazu unter www.esccap.de

Vets get up!

Raphael Witte

P.S. Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) ist eine in Großbritannien eingetragene Vereinigung. Sie wurde im Jahr 2006 von acht europäischen Veterinärparasitologen gegründet. Inzwischen sind 13 europäische Länder bei ESCCAP vertreten. Die Mitglieder von ESCCAP rotieren laut Satzung regelmäßig, so dass alle sechs Jahre eine komplette Neubesetzung stattfindet. Ein externes Kuratorium aus Treuhändern (Trustees) überwacht die Arbeit von ESCCAP und stellt die Gemeinnützigkeit sämtlicher ESCCAP-Aktivitäten sicher.


Die Behandlung der Otitis externa – so verbessern Sie die Compliance Ihrer Kunden
19 Dez 2012

Die Behandlung der Otitis externa – so verbessern Sie die Compliance Ihrer Kunden

Otitis – fast keine andere täglich diagnostizierte Krankheit in der Kleintierpraxis polarisiert in ihrer Betreuung zu Hause so wie die Otitis extrema – pardon externa. Bezüglich einer konsequent durchgeführten Behandlung ist es hier besonders schwierig, die nötige Compliance beim Patientenbesitzer zu erreichen.

Mit diesen Tipps erhöhen Sie die Therapietreue Ihrer Kunden und somit Ihren Behandlungserfolg:

Sie haben natürlich als Tierarzt die richtige Diagnose gestellt, aber der Vollständigkeit halber sollen hier noch einmal die wichtigsten Punkte der Ohruntersuchung kurz aufgelistet werden:

  1. Adspektion und Palpation beider Ohrmuscheln und Gehörgänge
  2. Tupferentnahme zur zytologischen (am besten in der Praxis sofort durchgeführten) und antimikrobiellen Untersuchung
  3. Genaue Otoskopie mit Darstellung des Trommelfelles
  4. Evtl. vorsichtige Spülung mit körperwarmer Kochsalzlösung, bis das Trommelfell dargestellt werden kann
  5. Auswahl der richtigen Medikamente und Instruktion des Patientenbesitzers für die anschließende Therapie zu Hause

Die Anwendung der verordneten Reiniger und Medikamente werden dem Kunden auch in bester Art und Weise demonstriert, und der Kunde steht da und staunt.

„Aha, also erst den Reiniger … Aha, und dann das andere, dieses kleinere Fläschchen. Wie oft noch mal? Ach so, ja. Und wie tief noch einmal? Und da geht nichts kaputt? Und wie viel noch mal? Wie fest muss ich da denn drauf drücken?“

Nach nochmaliger eingehender Unterweisung und der Demonstration an bunten anatomischen Zeichnungen oder formschön gefertigten Ohrmodellen aus Plastik geht der Kunde nach Hause und Sie sehen das Tier nach einigen Tagen wieder, entweder mit total verschmierten Ohrmuscheln voll von Medikamenten, die eigentlich woanders hin gelangen sollten oder mit Ohren, die innen schon wieder so aussehen wie ein Bild aus dem letzten Late-Night-Horrorstreifen.
Mögliche allgemein bekannte Antworten des Patientenbesitzers zum Aussuchen

  • „Ich dachte, das Medikament läuft von selber den Gehörgang entlang.“
  • „Ich dachte, das kleine Fläschchen sollte für zwei Wochen reichen.“
  • „Ich dachte, das kleine Fläschchen sollte in einem Tag aufgebraucht sein. Danach hatte ich ja dann nichts mehr. Ich habe mich auch schon gewundert.“
  • „Ich dachte, mein Mann macht das schon richtig.“

Also, was ist zu tun? Wie kann man mit sehr einfachen Mitteln eine Ohrbehandlung für zu Hause standardisieren?

Die einfache Antwort ist die Mitgabe einer 1-ml Spritze bzw. Insulin-Spritze!

Nach anfänglichem Zögern sind die Patientenbesitzer durchweg in der Lage, mit diesem kleinen Hilfsmittel die Ohrmedikamente in der richtigen Menge an den richtigen Ort zu bringen.
Die Vorteile der Spritze sind ein wesentlich tieferes Hineinbringen des Medikamentes in den Gehörgang in einer vorher festgesetzten Menge. Seien wir doch mal ehrlich: Es ist äußerst schwer, beim Abdrücken einer Flasche mit einem Ohrmedikament genau zu erahnen, wie viel wirklich in den Gehörgang gelangt ist. Schmerzhaft ist die Verwendung der Spritze für das Tier – außer bei einer wirklich höchstgradigen Otitis – im Allgemeinen kaum. Natürlich muss das Einführen und besonders das Entleeren des Spritzeninhaltes sehr vorsichtig geschehen und auf keinen Fall mit Druck.
Im Rahmen der individuellen Vet-Trainings empfehle ich folgende Tipps, die auch sehr gut in Form eines Merkzettels den Kunden mitgegeben werden können:

  • Ihr Hund Brutus hat eine Entzündung des linken Gehörganges.
  • Bitte geben Sie … mal täglich je … Spritzen voll in den Gehörgang ein.
  • Entfernen Sie dazu die Plastiktülle des Fläschchens und ziehen das Medikament direkt aus der Flasche auf.
  • Führen Sie die Spritze vorsichtig senkrecht in den zu behandelnden Gehörgang ein, womit eine Verletzung des Trommelfelles ausgeschlossen ist.
  • Lassen Sie den Inhalt der Spritze unter vorsichtigem Druck wie demonstriert ausfließen und drücken Sie auf keinen Fall mit Schwung auf den Spritzenkolben.
  • Massieren Sie danach den Gehörgang für etwa eine Minute.
  • Wischen Sie dann mit einem Wattetupfer die Öffnung des Gehörganges nur so weit aus, wie Ihre Fingerkuppe es zulässt.
  • Reinigen Sie die Spritze, indem Sie einige Male Wasser aufziehen und wieder entleeren. Verwenden Sie keine Spritze öfter als dreimal.
  • Bitte kommen Sie zur Nachuntersuchung in … Tagen in unsere Praxis.

Diese Behandlungsmethode hat sich für mich seit 20 Jahren hervorragend bewährt. Wenn Sie sie einmal ausprobiert und dem Besitzer auch demonstriert haben, wird der von den positiven Ergebnissen für das Tier überrascht sein.
Ich wünsche Ihnen dabei viel erfolgreiches Feedback von Ihren Kunden!

Dr. Michael Koch


Digitales Röntgen in der Tierarztpraxis – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis!
19 Nov 2012

Digitales Röntgen in der Tierarztpraxis – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis!

In seinem ersten Artikel für den Blog „Erfolg als Tierarzt“ hat Tierarzt Jörg Schwenke beschrieben, warum es als Praxisinhaber grundsätzlich wichtig ist, den wirtschaftlichen Erfolg seiner Tierarztpraxis aktiv zu gestalten. Erfahren Sie von einem Berufskollegen, warum die Umsetzung lang gehegter Investitionswünsche mehr erfordert als zunächst „nur“ den wirtschaftlichen Erfolg der Tierarztpraxis:

„Haben Sie auch schon digitales Röntgen?“

Immer mehr Tierhalter fragen bereits nach der Praxisausstattung zur (digitalen) bildgebenden Diagnostik. Doch vor der Durchsicht stand bei mir die Einsicht.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, seine Praxis technisch auf den neuesten Stand zu bringen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass man medizinische Geräte nicht beim Elektrogroßhändler um die Ecke kaufen kann.

Meine Erfahrung ist: Eine ganze Reihe von Faktoren und Unwägbarkeiten spielt während einer solchen Aufrüst-Aktion eine wichtige Rolle. Stichwort digitales Röntgen: Nicht nur die Praxis muss vernetzt werden, sondern auch die Anbieter von Geräten, Software und der eigene Netzwerkadministrator müssen Hand in Hand arbeiten. Und genau da liegt bisweilen der Hase im Pfeffer.

Es beginnt alles im Februar dieses Jahres. In einem Newsletter werde ich auf einen neuen digitalen Röntgenscanner aufmerksam.

Die Vorteile digitaler Röntgentechnik in der Tierarztpraxis liegen klar auf der Hand:

  • keine Folienkosten und kein Ausschuss,
  • keine Chemie, die angeschafft und wieder entsorgt werden muss,
  • schnellere Entwicklungszeit und die Möglichkeit vielfältiger Nachbearbeitung und
  • wenn der Kunde die Aufnahmen haben möchte, kann eine CD mitgegeben werden.

Das beworbene Gerät hat noch den schlagenden Vorteil eines geringen Gewichts und ist deshalb nicht nur für unsere Kleintierpraxis, sondern auch für unsere Außendiensttätigkeit im Rahmen der Raubkatzen-Ambulanz bestens geeignet.

Möglichst kurzfristig wird somit ein Vorführtermin mit dem Lieferanten für das Gerät der Wahl vereinbart. Das ist dann aber auch schon das letzte was komplikationsfrei läuft!

Der Vorführtermin verzögert sich zunächst bis April. Als der Verkäufer dann endlich in die Praxis kommt, stellt sich heraus, dass die Filter der Akquisitionssoftware noch nicht vernünftig eingestellt sind. Die angefertigten Aufnahmen wirken eher wie Gemälde als wie moderne bildgebende Diagnostik. Nicht schlimm, kann passieren. Es wird ein zweiter Termin vereinbart mit justierten Filtern. Die Einstellungen sollen schon in der kommenden Woche durchgeführt werden.

Nach mehreren Telefonaten in DEN kommenden Wochen stellt sich heraus, dass das Gerät versehentlich nicht neu justiert, sondern nach Afrika versendet wurde. Mitte Mai gebe ich schließlich auf und sage dem Händler ab, nachdem ich zwischenzeitlich eine andere Möglichkeit gefunden habe, das gleiche Gerät zu kaufen.

Auch hier wird ein Termin zur Vorführung anberaumt, der allerdings händlerseitig aus Krankheitsgründen mehrfach verschoben wird. Im September ist es schließlich soweit. Die Vorführung stimmt und das Gerät wird gekauft. Zusätzlich wird von einer anderen Firma eine Archivierungssoftware für die Dicom-Bilder erworben. Deren Installation ist zeitgleich leider nicht möglich, da unsere Praxis nur über UMTS-Internet verfügt, welches an diesem Tag eben nicht funktionieren mag.

Erfolg_als_Tierarzt_Banner03-300x93Eine Woche später gibt es wenigstens temporäre Lizenzen über einen zweiten Dongle (Kopierschutzstecker, auch Dongle, Dongel, Hardlock oder Key genannt, dienen dazu, Software vor unautorisierter Vervielfältigung zu schützen).

Dabei stellt sich heraus, dass wir vom Arbeitsplatz keine Patienten-CDs brennen können, da unser Server virtualisiert ist und von dort keine Daten zum Brennen an den Scannercomputer gesendet werden können. Im Gespräch mit der Softwarefirma bekomme ich die Auskunft, dass ich dazu eine eigene Lizenz kaufen muss.

Das ist der Moment, in dem mir der Kragen platzt. Es folgen Telefondebatten und sarkastische E-Mails, in denen ich darauf hinweise, dass ich zum gleichen Preis auch ein Auto hätte kaufen können.

Eine Woche später lenken Vertreiber- und Softwarefirma ein, und ich bekomme die Lizenz kostenfrei aus „Kulanzgründen“.

Jetzt ist es Oktober und ich bin einfach nur froh, auf digitales Röntgen umgestiegen zu sein. Wenn erst einmal alles richtig funktioniert, macht jede einzelne Aufnahme wieder Freude.

Ich gebe zu, ich hatte in den sieben Monaten öfter das Gefühl, als Kunde nicht ganz ernst genommen zu werden. Oft hätte ich mir einen Manager gewünscht, der alles für mich koordiniert und meinen Wunsch nach einem einwandfrei funktionierenden System regelt, oder mir einfach ein kaltes Bier vor die Nase gestellt hätte.

Viele Grüße

Jörg Schwenke

Fazit: Solche Entwicklungen lassen sich im Vorfeld meist nicht absehen. Klären Sie mit Ihren Lieferanten genau, welche Rahmenbedingungen in Ihrer Tierarztpraxis vorhanden sind und bestehen Sie unbedingt auf eine funktionierende Lösung! Dafür haben Sie schließlich auch bezahlt. Manchmal muss diese allerdings nicht nur bezahlt, sondern zusätzlich mit einer gewissen Frustrationstoleranz und Hartnäckigkeit zusätzlich erarbeitet werden. Kalkulieren Sie vor einer geplanten Investition die Rentabilität sehr genau oder lassen Sie sich bei umfangreichen Investitionen von einem Experten professionell begleiten.