Tipps für mehr Glück – auch als Tierarzt!
28 Feb 2014

Tipps für mehr Glück – auch als Tierarzt!

Tipps für mehr Glücksempfinden und Zufriedenheit!

Tiermedizin als unglücklicher Berufsstand? Das ist er ganz sicher nicht. Dennoch gibt es einige Rahmenbedingungen die gerade Tierärzten ein glückliches (Privat-)leben nicht gerade erleichtern.

Dazu gehören die ungeliebten Euthanasien, finanzielle Sorgen des Tierbesitzers die es möglicherweise nicht erlauben eine wichtige Behandlung durchzuführen, oder wenn ein Tierbesitzer eine Fortsetzung der Behandlung fordert, obwohl es aus Sicht des Tierschutzes geboten erscheint, das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Viele dieser Situationen sind emotional belastend und mit Stress verbunden. Nicht jeder Tierarzt ist dieser Belastung dauerhaft gewachsen und so ist nicht nur das aktuell häufig thematisierte Burnout-Syndrom in der Veterinärmedizin ein Thema, sondern auch das erhöhte Selbstmordrisiko unter Tierärzten wurde in verschiedenen Studien einwandfrei nachgewiesen. In Großbritannien soll das Suizidrisiko bei Tierärzten demnach dreimal so hoch sein wie das der restlichen Bevölkerung.

Dabei trifft das Phänomen natürlich nicht nur die Veterinärbranche, denn das Angebot an verschiedenen Glücks- und Lebensratgebern scheint aktuell nahezu unüberschaubar. Sicherlich ist dabei der ein oder andere Impuls für ein glücklicheres Leben zu gewinnen. Jemandem der nach der Lektüre eines Buches von sich behaupten konnte dauerhaft glücklich zu sein, ist mir bisher noch nicht begegnet. Der Satz eines Freundes geht mir in diesem Zusammenhang nicht aus dem Kopf: Glück ist eine Frage der Entscheidung!

Was können Sie als Tierarzt also konkret tun, um Ihr privates und berufliches Glücksempfinden zu steigern?

Zehn konkrete Dinge, die Sie für Ihr Glück aufgeben müssen:

1. Kümmern Sie sich nicht darum, was Kunden, Kollegen, Freunde oder Verwandte über Sie persönlich denken! Natürlich wissen Sie als Tierarzt besonders, dass das unserer eigentlichen Intuition widerspricht. Auch Menschen sind Rudeltiere. Der Anschluss an die eigene Sippe oder Gemeinschaft war früher überlebenswichtig, und dieses Programm tickt immer noch in uns. Dies lässt sich auch heute noch feststellen, wo der „Gefällt-mir-Klick“ in einem sozialen Netzwerk nachweislich das Belohnungssystem aktiviert. Doch um welchen Preis? Wenn Sie sich Gedanken darüber machen, was andere von Ihnen halten oder denken, verschwenden Sie ganz erheblich Energie. Seien wir ehrlich: Sie können es ohnehin nicht allen recht machen und bei dem Versuch, das zu schaffen, ist der Frust vorprogrammiert. Tipp: Hören Sie ab sofort auf darüber nachzudenken, was andere über Sie denken!

2. Wenn Sie gar nicht erst versuchen, es allen recht machen zu wollen, haben Sie die große Chance, Ihr Leben nach Ihren eigenen Werten und Vorstellungen zu leben! Seien Sie als Tierarzt und Mensch natürlich so gut, wie Sie sein können. Das Ergebnis ist, dass Sie ausgeglichener werden. Dadurch werden Sie die Kunden und Menschen anziehen, die wirklich zu Ihnen passen.

3. Hören Sie sofort auf, Zeit und Energie in etwas zu investieren, von dem Sie gar nicht wollen, dass es passiert. Was ist, wenn mein angestellter Tierarzt kündigt? Hoffentlich bekomme ich keine Steuerprüfung. Mit diesen Gedanken ändern Sie ohnehin nichts, sondern lenken Ihre Aufmerksamkeit und Energie nur auf negative Eventualitäten.

4. Hören Sie sofort auf mit anderen zu lästern oder zu jammern! Menschen, die mit Ihnen z.B. über andere Tierarztpraxen lästern, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch über Sie lästern, wenn ihnen etwas nicht passt. An Gerüchte zu glauben ist wie die Schilderung des Blinden von der Farbe, denn Ihnen fehlen in der Regel die Fakten für eine wirklich objektive Bewertung.

5. Nehmen Sie die Dinge nicht persönlich! In den Kommunikationstrainings erlebe ich immer wieder die Subjektivität der Wahrnehmung. Jeder macht sich ohnehin seine eigene Realität, egal wie Sie sich verhalten. Häufig haben die Reaktionen anderer nichts mit Ihnen zu tun. Kennen Sie das Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun? Menschen, die besonders stark auf dem Beziehungsohr hören, sind häufig besonders gestresst und weniger glücklich.

6. Nehmen Sie sich selbst zwar ernst, aber nicht zu wichtig! Wenn wir uns ernst nehmen, hoffen wir unbewusst, dass andere das auch tun. Fakt ist: Sie sind einzigartig, es gibt Sie nur ein einziges Mal unter über sieben Milliarden Menschen. Seien Sie einfach derjenige, der Sie wirklich sein möchten.

7. Hören Sie sofort auf sich zu ärgern! Sie haben eine Behandlungsmöglichkeit übersehen? Ein Kunde war zu einer Mitarbeiterin unverschämt? Ich bin nach 14 Jahren in der Veterinärbranche immer noch erstaunt was tierärztliche Praxisteams manchmal erleben. Wut ist allerdings ein echter Energiekiller. Entsagen Sie der Wut ein für alle Mal. Versuchen Sie es stattdessen mit Humor. Ich habe kürzlich über eine Tierärztin geschmunzelt die nach einer emotional belastenden Situation mit einem Kunden zu sich selbst leise sagte: „Gute Besserung!“

8. Je mehr Dinge man hat, desto mehr haben einen die Dinge! Schauen Sie einmal in Ihre Garage, in Ihre Schubladen, auf den Dachboden oder in den Kleiderschrank. Wir alle geben ständig Geld für Dinge aus, die wir häufig nicht wirklich brauchen. Das Verrückte dabei ist, dass wir uns diese Dinge ja erst einmal hart erarbeiten müssen, und dann jammern wir über fehlende Freizeit oder fühlen uns wie im Hamsterrad. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist und wo Verzicht durchaus auch mehr Lebensqualität und bewusste Momente bedeuten kann.

9. Legen Sie Ihren (emmotionalen) Rucksack ab! Wir alle haben im Laufe unseres Lebens natürlich auch unschöne Dinge erlebt. Wir wurden alle schon einmal verletzt, enttäuscht oder belogen. Sie haben sich z.B. für einen Mitarbeiter oder Kunden besonders engagiert und es wurde Ihnen nicht gedankt? Sie können all diese Erfahrungen wie schwere Steine in Ihren „emotionalen Rucksack“ packen und auf Ihrem Lebensweg mittragen. Ändert dies etwas, oder macht es Ihnen Ihren Weg leichter? Im Gegenteil! Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und ein Blatt Papier. Notieren Sie die „Steine“ die Sie in Ihrem Rucksack mitschleppen. Verbrennen Sie anschließend dieses Blatt und laufen Sie dadurch deutlich unbeschwerter weiter. Nach der Devise: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist!“ Die Erfahrung, die Sie im Leben gemacht haben, hat Sie etwas gelehrt und stärker gemacht.

10. Kontrolle ist eine Fata Morgana! Mal ehrlich: Was oder wen können Sie wirklich dauerhaft kontrollieren? Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller verändert und die sich durch den einzelnen nicht steuern lässt. Gerade in Beratungsprozessen mit Tierarztpraxen zeigt sich schnell, wem es gelingt Neues interessiert anzunehmen. Diese Personen machen meist auch einen zufriedeneren und glücklicheren Eindruck. Werden Sie nicht zum Hüter des „Das haben wir schon immer so gemacht“-Grals und bewahren Sie sich ein wenig der kindlichen Neugierde. Es gibt noch viel zu entdecken – zum Glück!

Mit dem Glück ist es im Grunde wie mit dem Erfolg Ihrer Tierarztpraxis: Das Match wird zwischen den Ohren gewonnen!

Vets get up!

Raphael Witte


Raphael M. Witte
Raphael M. Witte

Raphael Witte ist Business Consultant für den veterinärmedizinischen Markt. Als Inhaber der Beratungsfirma Ruhmservice Consulting begleitet er vor allem Tierärzte auf dem Weg zu einer noch erfolgreicheren Tierarztpraxis oder Tierklinik. Zu seinen Klienten gehören kleinere Einzelpraxen, gehobene Kleintierpraxen, Tierkliniken sowie mittelständige Firmen und Konzerne der Veterinärbranche. In seiner Freizeit lässt er sich gerne auf dem Motorrad - oder Longboard - ganz entspannt den Wind um die Nase wehen um einen freien Kopf zu bekommen. Ansonsten behaupten seine Mitmenschen, er sei nur schwer von der Entwicklung neuer Leistungen für Tierärzte abzubringen. Raphael Witte meint dies sei nur ein Gerücht! ;-)

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